Vertragsgestaltung und Wirtschaftlichkeit
Die Flüchtlingsunterbringung erfolgt nach zwei Vertragsmustern – dem Beherbergungsvertrag oder dem sog. Wohnraumüberlassungsvertrag. Die vermeintlich attraktiven Kopfpauschalen des Beherbergungsvertrags von bis zu 30 EUR oder mehr pro Tag geraten schnell zum wirtschaftlichen Albtraum. Denn das komplette Unterbringungs- und Versorgungsrisiko liegt beim Betreiber. Die Nebenkosten, der Energieverbrauch und die Aufwendungen für Reparaturen und Instandhaltung sind erheblich. Außerdem fällt bei Beherbergungsverträgen mit bis zu 6 Monaten Laufzeit und auf Zusatzleistungen Mehrwertsteuer an, welche von den EUR 30 Kopfpauschale in Abzug zu bringen ist. Eine Tatsache, welche nicht jedem Vermieter bewusst ist und zur Steuerhinterziehung führen kann.
Finanzplanung und Finanzierung
Der interessierte Investor sollte unbedingt auf soliden finanziellen Beinen stehen, denn unvorhersehbare Belastungen können ein Projekt zum Scheitern bringen. Banken sind bei Flüchtlingsprojekten noch zurückhaltender als bei üblichen Kreditvergaben.
Baurecht und architektonisches Konzept
Eine Baugenehmigung bzw. ein Bestandsgebäude ist noch kein Garant für die Zulässigkeit der Unterbringung von Flüchtlingen. Das Gesetz hat die Unterkunft für Asylbewerber (noch) nicht einer eindeutigen Nutzungsart zugeordnet. Demzufolge entscheiden die Verwaltungsgerichte bei Drittklagen höchst individuell nach Sachlage. Wird ein Neubau oder die Umwidmung eines Bestandsbaus zur Asylbewerberunterkunft geplant, ist auf jeden Fall ein Bauantrag notwendig. Je nach architektonischem Konzept ist unter Umständen von einem Sonderbau eines Wohnheims auszugehen, der nicht in allen Gebieten zulässig ist.
Problem- und Krisenmanagement
Betreiber von Flüchtlingsunterkünften stehen im Zentrum lokaler Presseberichterstattung und in vielfacher Kritik durch verängstigte Anwohner und politischer Profiteure, die das Projekt verhindern wollen. Das geht von Diskussionen am Bauzaun über Eingaben und Petitionen an die Politikprominenz bis hin zu Klagen vor Verwaltungs- und Zivilgerichten und natürlich den üblichen anonymen Anzeigen bei Berufsgenossenschaften, Zoll, etc. Auch wenn alle Gesetze und Vorgaben eingehalten werden, ist der zeitliche Aufwand zur Bewältigung dieser Widerstände enorm.
Bauliche Substanz und Gebäudetechnik
Aufgrund der Tatsache dass 2-3 mal so viele Bewohner auf demselben Raum wie herkömmlich wohnen, mit einer etwa 10 mal höheren Wechselfrequenz ergibt 20-30 mal mehr wechselnde Bewohner auf einen Zeitraum von 10 Jahren. Dies bringt einen ebenso höheren Verschleiß der baulichen Substanz und Gebäudetechnik und entsprechende Kosten mit sich.
Energieeinsparung und Brandschutz
Bei der Umwidmung von Bestandsgebäuden und damit verbunden Arbeiten an Fassade, Dach, Fenster und Decken ist davon auszugehen dass aktuelle Vorschriften, wie z.B. die Energieeinsparverordnung und insbesondere der vorbeugende Brandschutz eingehalten werden. Dies wird von vielen Investoren aus Kostengründen vernachlässigt, womit die Nutzung und damit die Unterbringung von Asylbewerbern schlicht und ergreifend nicht gesetzeskonform ist ? Bußgelder bis hin zu einer Nutzungsuntersagung können die Folge sein.
Nachhaltige Investition / Folgenutzungskonzept
Irgendwann wird sich die Lage beruhigen und hastig geschaffene Unterbringungsmöglichkeiten werden nicht mehr benötigt. Hat sich der Investor nur unzureichende Gedanken über ein Folgenutzungskonzept gemacht, verteilen sich über ganz Deutschland leerstehende Gebäude als stumme Zeugen der Flüchtlingsflut. Ganz zu schweigen von etwaigen Restverbindlichkeiten der laufenden Finanzierung.
Standortwahl, Infrastruktur und Arbeitsmarkt
Integration gelingt nur, wenn die Asylbewerber die Möglichkeit haben am öffentlichen Leben teilzunehmen. Da hilft es wenig, wenn Asylbewerber in ohnehin schon strukturschwachen Regionen angesiedelt werden, wo die Infrastruktur, wie z.B. der öffentliche Personennahverkehr auf ein Mindestmaß geschrumpft wurde und Arbeitsplätze fehlen.
Markus Gildner plant bereits weitere Neubauprojekte für Flüchtlinge in Bayern.
]]>Gildners Idee: Flüchtlingsunterkünfte müssen keine heruntergekommenen Altimmobilien sein. Neubauten sind für den Steuerzahler sogar die günstigere Lösung. Und: Erfolgreiche Integration fängt bei Unterbringung in menschenwürdigen Wohnraum an. Die Absicht, durch guten und modernen, aber trotzdem preisgünstigen Wohnraum entwurzelten Menschen eine behagliche Bleibe zu schaffen und ihnen damit die Integration zu erleichtern, gefiel auch den zuständigen Politikern und Behörden. Durch den Einsatz modernster Bautechnologie ist der Energieverbrauch niedrig (KfW 70-Standard), Baukosten und -zeit gering und das Gebäude auch noch, nachdem die Flüchtlinge wieder ausziehen, auf dem freien Wohnungsmarkt nachnutzbar. Doch jetzt regt sich in der Eckentaler Bevölkerung angesichts der jüngst öffentlich gemachten Bauskizzen heftiger Widerstand. „Luxus-Asyl“ heißt es auf Facebook, berichtete die „Bild am Sonntag“ in ihrer gestrigen Ausgabe (12.7.2015). Markus Gildner: „Diese Angriffe treffen mich völlig unerwartet. Das ganze Projekt ist von der Grundidee auf Harmonie und erfolgreiche Integration von Flüchtlingen ausgerichtet. Dass jetzt ausgerechnet dies für Unmut sorgt, ist eine herbe Enttäuschung.“
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